Beim letzten Umzug hatte ich drei Besichtigungen an einem Wochenende.
Wohnung eins: keine Küche.
Wohnung zwei: Küche für 3.500 Euro vom Vormieter übernehmen.
Wohnung drei: Küche vorhanden, aber der Kühlschrank ging nur zu, wenn man die Schublade daneben vorher geschlossen hat.
Am Sonntagabend hatte ich kurz das Gefühl, meine Wohnungssuche dreht sich eigentlich hauptsächlich um Küchen.
Bei einer übernommenen Küche würde ich inzwischen ziemlich genau festhalten wollen, was eigentlich mitverkauft wird.
Schränke, Herd, Kühlschrank, Geschirrspüler?
Spätestens wenn ein Gerät ein Jahr später kaputtgeht, ist „das war irgendwie schon drin“ keine besonders hilfreiche Eigentumsbeschreibung.
Ich fand die fehlende Küche bei der Besichtigung erst gar nicht schlimm. Im leeren Raum sah alles groß aus und ich dachte, da kann man bestimmt was Schönes machen.
Drei Wochen später wusste ich plötzlich Dinge über Sockelhöhen, Anschlüsse und Schrankbreiten, die ich nie wissen wollte.
Die Küche ist am Ende tatsächlich schön geworden.
Trotzdem würde ich beim nächsten Umzug sehr gern wieder weniger über Sockelhöhen wissen.
Bei einer Küche vom Vormieter ist die interessante Frage manchmal nicht, was sie objektiv noch wert ist.
Wenn zwanzig Menschen dieselbe Wohnung wollen und der Vormieter jemanden empfehlen kann, fühlt sich die Ablöse schnell weniger wie ein Möbelkauf und mehr wie ein Teil der Wohnungssuche an.
Angenehm ist das nicht.
Eine Wohnung ohne Küche ist nicht nur ein Einrichtungsproblem, sondern manchmal auch ein Zeitproblem.
Mietvertrag beginnt heute, Küche kommt in sechs Wochen.
Dazwischen lebt man offiziell schon dort und kocht praktisch wie in einem etwas zu teuren Hostel.
Ich verstehe inzwischen sogar, warum manche Leute ihre eigene Küche haben wollen. Wenn man zehn Jahre irgendwo wohnt, lohnt es sich wahrscheinlich auch.
Mein Problem ist nur: Beim Unterschreiben des Mietvertrags weiß ich doch nicht, ob ich dort zehn Jahre wohne.
Bei meiner letzten Wohnung hätte die Küche fast so viel gekostet wie meine komplette erste Einrichtung.
Für Eigentum okay. Bei einer Mietwohnung fühlt sich das für mich immer ein bisschen an, als würde ich zuerst Eintritt bezahlen, bevor ich anfangen darf zu wohnen.
Eine Wohnung kann bei der Kaltmiete günstig aussehen und beim Einzug plötzlich mehrere tausend Euro teurer werden.
Kaution, Umzug und Möbel sind ohnehin da. Wenn dann noch Herd, Spüle, Schränke und Arbeitsplatte fehlen, gehört die Küche eigentlich mit zur Rechnung beim Wohnungsvergleich.
Bei meiner ersten Wohnung ohne Küche fand ich das noch ganz schön. Selbst aussuchen, selbst planen, endlich nicht diese beige Küche vom Vormieter.
Zwei Jahre später stand ich beim Auszug mit einer Arbeitsplatte da, die exakt 2,63 Meter lang war und in der neuen Wohnung ungefähr so nützlich gewesen wäre wie ein Garagentor.
Der Nachmieter wollte die Küche übernehmen, aber natürlich nicht zu dem Preis, den ich mir vorgestellt hatte. Am Ende habe ich sie für deutlich weniger dagelassen, einfach weil ich keine Lust hatte, das Ding wieder auseinanderzubauen.
Seitdem ist „Einbauküche vorhanden“ für mich kein langweiliges Detail im Exposé mehr, sondern ein echtes Plus.
Anmelden, um einen Eintrag zu schreiben.